Wie wird Süßwein hergestellt?
Süßwein entsteht, wenn ein Teil des natürlichen Traubenzuckers nicht zu Alkohol vergoren wird – entweder weil die Gärung gezielt gestoppt wird oder weil der Zucker in den Trauben durch Edelfäule, Frost oder Trocknung so konzentriert ist, dass die Hefen ihn nicht vollständig verarbeiten können. Bei aufgespriteten Weinen wie Portwein stoppt zugesetzter Weinbrand die Gärung. Wie die einzelnen Methoden funktionieren und was Spätlese, Beerenauslese oder Eiswein bedeuten, lesen Sie hier.
Das Prinzip: Restsüße statt Alkohol
Bei jeder Weinbereitung verwandeln Hefen den Zucker im Traubenmost in Alkohol und Kohlensäure. Lässt man sie ungestört arbeiten, entsteht ein trockener Wein mit nur wenigen Gramm Zucker pro Liter. Ein Süßwein behält dagegen einen Teil dieses Zuckers – die sogenannte Restsüße. Grundsätzlich gibt es dafür drei Wege:
- Gärung stoppen: Der Kellermeister unterbricht die Gärung, bevor aller Zucker verbraucht ist – durch Kühlung, Filtration, Schwefelung oder (bei Likörweinen) durch Zugabe von Alkohol.
- Zucker in der Traube konzentrieren: Edelfäule, Frost oder Trocknung entziehen den Beeren Wasser. Der Most wird so zuckerreich, dass die Hefen bei steigendem Alkohol und hohem Zuckerdruck von selbst aufgeben.
- Süßen nach der Gärung: Bei einfachen lieblichen Weinen wird einem durchgegorenen Wein unvergorener Traubenmost (Süßreserve) zugesetzt. Für hochwertige Dessertweine spielt das keine Rolle.
Entscheidend für die Qualität ist nicht die Süße allein, sondern ihr Gegenspieler: die Säure. Erst eine lebendige Säure macht einen Süßwein frisch und trinkanimierend. Fehlt sie, wirkt er schnell klebrig und plump. Deshalb sind säurebetonte Rebsorten wie Riesling, Chenin Blanc oder Furmint weltweit die Stars unter den edelsüßen Weinen.
Wann ist ein Wein offiziell süß?
Für Stillweine legt das EU-Weinrecht die Geschmacksangaben über den Restzuckergehalt fest: trocken bis 4 g/l (bzw. bis 9 g/l bei entsprechend hoher Säure), halbtrocken bis 12 g/l (bzw. bis 18 g/l), lieblich bis 45 g/l und süß ab 45 g/l. Echte Dessertweine liegen meist weit darüber – eine Trockenbeerenauslese kann mehrere hundert Gramm Zucker pro Liter enthalten.
Die deutschen Prädikate: Spätlese bis Trockenbeerenauslese
In Deutschland (und ähnlich in Österreich) werden Prädikatsweine nach dem Mostgewicht eingestuft, also dem Zuckergehalt der Trauben bei der Lese, gemessen in Grad Oechsle. Die genauen Mindestwerte unterscheiden sich je nach Anbaugebiet und Rebsorte; die folgende Tabelle zeigt die ungefähren Untergrenzen – je nach Gebiet und Rebsorte liegen sie teils deutlich höher. Wichtig: Das Prädikat sagt nur etwas über die Reife der Trauben, nicht über die Süße im Glas. Spätlesen und Auslesen gibt es auch trocken.
| Prädikat | Mindest-Mostgewicht | Lesegut | Typischer Stil |
|---|---|---|---|
| Spätlese | ab ca. 76 °Oe | vollreife Trauben, später gelesen | trocken bis fruchtsüß, elegant |
| Auslese | ab ca. 83 °Oe | vollreife, ausgelesene Trauben, oft mit etwas Edelfäule | trocken bis edelsüß, konzentriert |
| Beerenauslese (BA) | ab ca. 110 °Oe | edelfaule oder überreife Einzelbeeren | edelsüß, Honig und Trockenfrüchte |
| Eiswein | wie Beerenauslese | gesunde, am Stock gefrorene Trauben | edelsüß mit markanter Säure, sehr klar |
| Trockenbeerenauslese (TBA) | ab ca. 150 °Oe | weitgehend eingeschrumpfte, edelfaule Beeren | extrem süß und konzentriert, wenig Alkohol |
Das Wort „trocken“ in Trockenbeerenauslese ist übrigens irreführend: Es bezieht sich auf die rosinenartig eingetrockneten Beeren, nicht auf den Geschmack. TBAs gehören zu den süßesten Weinen der Welt. Weil Mostgewichte in diesem Bereich nur in wenigen Jahren und mit enormem Aufwand erreicht werden, sind BA und TBA rar, teuer und meist in halben Flaschen (0,375 l) abgefüllt.
Edelfäule (Botrytis): Der Pilz hinter den großen Süßweinen
Die berühmtesten Dessertweine der Welt verdanken ihre Konzentration einem Schimmelpilz: Botrytis cinerea. Auf unreifen oder beschädigten Trauben ist er gefürchtet, weil er Graufäule verursacht. Trifft er aber unter den richtigen Bedingungen auf reife, gesunde Beeren, entsteht die erwünschte Edelfäule.
Wie Edelfäule entsteht
- Das Klima: Ideal sind feuchte, neblige Herbstmorgen – oft in der Nähe von Flüssen oder Seen – und sonnige, trockene Nachmittage. Die Feuchtigkeit lässt den Pilz keimen, Sonne und Wind verhindern, dass er in schädliche Fäulnis umschlägt.
- Die Wirkung: Der Pilz durchdringt die Beerenhaut mit feinen Fäden. Durch die winzigen Öffnungen verdunstet Wasser, die Beeren schrumpfen und werden braun-violett. Zucker, Säure und Extrakt konzentrieren sich stark.
- Das Aroma: Botrytis verändert auch den Geschmack. Typisch sind Noten von Honig, getrockneten Aprikosen, kandierten Zitrusfrüchten, Safran und Bienenwachs – plus ein hoher Glyceringehalt, der dem Wein seine ölige Textur gibt.
- Die Lese: Edelfäule befällt nicht alle Beeren gleichzeitig. Für Spitzenweine wird deshalb in mehreren Durchgängen von Hand gelesen, teils Beere für Beere. Der Ertrag ist winzig.
Sauternes: Edelsüßes aus Bordeaux
Im Süden von Bordeaux sorgen die Flüsse Ciron und Garonne für die herbstlichen Nebel, die Edelfäule begünstigen. Sauternes und das benachbarte Barsac werden vor allem aus Sémillon mit einem Anteil Sauvignon Blanc (und etwas Muscadelle) erzeugt. Die Weine reifen meist in Barriques und vereinen Honig, Aprikose und Vanille mit erstaunlicher Frische. Das berühmteste Gut, Château d’Yquem, ist als einziges als „Premier Cru Supérieur“ klassifiziert und liest in guten Jahren in vielen Durchgängen.
Tokaji Aszú: Der Klassiker aus Ungarn
In der ungarischen Region Tokaj entsteht Süßwein auf besondere Weise: Edelfaule, eingeschrumpfte Aszú-Beeren – hauptsächlich von der Rebsorte Furmint, dazu Hárslevelű – werden separat gelesen, zu einer Paste verarbeitet und dann in Most oder jungem Wein eingeweicht. Der Zuckergehalt wurde traditionell in Puttonyos angegeben, nach den Butten, in denen die Aszú-Beeren gesammelt wurden. Die Krönung ist die Eszencia: der Saft, der allein durch das Eigengewicht der Aszú-Beeren abläuft – so zuckerreich, dass er nur extrem langsam gärt und kaum Alkohol erreicht.
Edelsüß aus Deutschland und Österreich
Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen von Riesling aus Mosel, Rheingau oder Nahe zählen zu den feinsten edelsüßen Weinen überhaupt: hohe Süße, aber durch die rassige Riesling-Säure nie schwer. In Österreich ist das Gebiet rund um den Neusiedlersee berühmt für seine Edelfäule; dort hat der Ruster Ausbruch eine lange Tradition.
Eiswein: Wenn Frost den Zucker konzentriert
Eiswein ist die vielleicht riskanteste Art, Süßwein herzustellen. Die Trauben bleiben nach der regulären Lese am Stock hängen – oft bis Dezember oder Januar – und werden erst bei starkem Frost gelesen. In Deutschland schreibt das Weinrecht dafür eine Temperatur von mindestens minus 7 °C vor.
So funktioniert die Eiswein-Herstellung
- Warten: Die Trauben sollen möglichst gesund bleiben – anders als bei der BA ist Edelfäule beim Eiswein nicht erwünscht, weil sie die klare Frucht überdecken würde. Netze schützen vor Vögeln und Wild.
- Lesen im Frost: Sobald die Temperatur stimmt, wird meist nachts oder in den frühen Morgenstunden gelesen – oft innerhalb weniger Stunden.
- Gefroren pressen: Die Trauben werden sofort und noch gefroren gepresst. Das Wasser bleibt als Eiskristall in der Presse zurück, nur ein kleiner Teil hochkonzentrierten Mostes läuft ab.
- Langsam vergären: Der zuckerreiche Most gärt sehr langsam und stoppt bei niedrigem Alkohol; der Wein behält viel Restsüße.
Das Ergebnis ist ein Wein mit enormer Süße und zugleich einer sehr hohen, glasklaren Säure – Aromen von Ananas, Pfirsich, Zitrus und Honig. Weil die Winter in Deutschland immer milder werden, gibt es in vielen Jahren kaum noch Eiswein. Größere Mengen erzeugt heute Kanada (Ontario, British Columbia), wo er als Icewine vermarktet wird. Konservierung durch Gefriertechnik im Keller ist für echten Eiswein nicht erlaubt.
Strohwein, Passito und Recioto: Süße durch getrocknete Trauben
Die älteste Methode, Süßwein zu machen, ist das Trocknen der Trauben nach der Lese. Die Beeren werden auf Strohmatten, Holzgestellen oder in luftigen Räumen ausgelegt bzw. aufgehängt und verlieren über Wochen bis Monate einen großen Teil ihres Wassers. Zurück bleiben konzentrierter Zucker, Säure und Aroma – aber ohne die typischen Botrytis-Noten. Stattdessen schmecken diese Weine nach Rosinen, Feigen, Datteln und Gewürzen.
- Strohwein / Schilfwein: In Österreich (vor allem im Burgenland) als Prädikat geregelt; im französischen Jura heißt der Stil Vin de Paille.
- Passito: Italienischer Oberbegriff für Weine aus getrockneten Trauben. Berühmt ist der Passito di Pantelleria aus Zibibbo (Muscat d’Alexandrie) von der gleichnamigen Insel vor Sizilien. Aus der Toskana stammt der Vin Santo, der oft jahrelang in kleinen Fässern reift.
- Recioto della Valpolicella: Im Veneto werden Corvina und andere rote Trauben monatelang getrocknet (Appassimento). Lässt man den Wein nicht durchgären, entsteht der süße Recioto. Gärt der Most vollständig durch, wird daraus der trockene, kraftvolle Amarone – gleiche Methode, völlig anderes Ergebnis.
Gestoppte Gärung ohne Konzentration
Nicht jeder Süßwein braucht Edelfäule oder Frost. Leichte, fruchtsüße Weine entstehen oft einfach dadurch, dass die Gärung rechtzeitig unterbrochen wird. Der Wein wird stark gekühlt, damit die Hefen ihre Arbeit einstellen, und anschließend sehr fein filtriert, damit keine Hefe übrig bleibt, die in der Flasche nachgären könnte. Ein Klassiker dieser Art sind fruchtsüße Riesling-Kabinette und -Spätlesen von der Mosel mit niedrigem Alkohol und spielerischer Süße. Auch der leicht perlende Moscato d’Asti aus dem Piemont gehört dazu: Er wird bei rund 5 % Alkohol gestoppt und schmeckt nach Traube, Pfirsich und Holunderblüte.
Aufgespritete Weine: Süße durch Weinbrand
Eine eigene Familie bilden die Likörweine (auch: aufgespritete oder verstärkte Weine). Hier wird während der Gärung neutraler Weinbrand zugesetzt. Der Alkohol steigt schlagartig, die Hefen sterben ab und der noch nicht vergorene Zucker bleibt im Wein. So entstehen Weine mit kräftiger Süße und meist 15 bis 22 % Alkohol.
- Portwein: Der bekannteste Vertreter aus dem Douro-Tal. Wie die Aufspritung dort genau abläuft und was Ruby, Tawny und Vintage unterscheidet, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Wie wird Portwein hergestellt?
- Vin Doux Naturel: Südfranzösische Variante, etwa Banyuls (aus Grenache) oder Muscat de Beaumes-de-Venise. Das Prinzip der Aufspritung heißt dort Mutage.
- Madeira und Marsala: Werden in süßen und trockenen Stilen erzeugt; Madeira ist durch seine Wärmebehandlung extrem langlebig.
- Sherry: Eine Ausnahme – die meisten Sherrys (Fino, Manzanilla, Oloroso) werden nach der Gärung aufgespritet und sind trocken. Süß sind vor allem Pedro Ximénez aus sonnengetrockneten Trauben und Cream Sherrys.
Die Methoden im Überblick
| Methode | Wie entsteht die Süße? | Beispiele | Typische Aromen |
|---|---|---|---|
| Gestoppte Gärung | Kühlen und Filtrieren vor Gärende | Fruchtsüße Mosel-Spätlese, Moscato d’Asti | frische Frucht, leicht, wenig Alkohol |
| Edelfäule | Botrytis entzieht den Beeren Wasser | BA, TBA, Sauternes, Tokaji Aszú | Honig, Aprikose, Safran, ölig |
| Eiswein | Frost am Stock, Wasser bleibt als Eis zurück | Deutscher Eiswein, kanadischer Icewine | Ananas, Pfirsich, sehr hohe Säure |
| Trocknung | Trauben trocknen nach der Lese | Strohwein, Passito, Recioto, Vin Santo | Rosine, Feige, Dattel, Gewürze |
| Aufspritung | Weinbrand stoppt die Gärung | Portwein, Banyuls, süßer Madeira | dunkle Frucht, Nüsse, Karamell, kräftig |
Passende Weine aus unserer Datenbank
Von der Riesling-Auslese bis zum Passito – zu jeder Herstellungsmethode ein Beispiel aus unserer Weindatenbank:
Mosel
Dessertwein Geisenheimer Rothenberg Riesling BeerenausleseRheingau
Dessertwein Ayler Kupp Riesling EisweinMosel
Dessertwein Château dYquem Sauternes Premier Cru SupérieurBordeaux
Dessertwein Recioto della Valpolicella DOCGVenetien
Dessertwein Passito di Pantelleria DOCSizilien
Süßwein lagern
Zucker und Säure sind natürliche Konservierungsmittel. Deshalb gehören edelsüße Weine zu den langlebigsten Weinen überhaupt: Gute Auslesen entwickeln sich über zehn bis zwanzig Jahre, große Trockenbeerenauslesen, Sauternes oder Tokaji Aszú halten oft mehrere Jahrzehnte. Mit dem Alter wird die Farbe dunkler (von Goldgelb zu Bernstein), die Süße wirkt weniger aufdringlich und es entstehen Noten von Karamell, Nüssen und getrockneten Früchten. Leichte, fruchtsüße Weine wie Moscato d’Asti sind dagegen für den jungen Genuss gemacht.
Für die Lagerung gelten dieselben Regeln wie für jeden Wein: dunkel, ruhig, gleichmäßig kühl um 10 bis 14 °C. Details finden Sie in unseren Ratgebern zur richtigen Lagertemperatur und zur Haltbarkeit von Wein.
Süßwein richtig servieren
- Temperatur: 8–12 °C für die meisten Süßweine; dunkle Dessertweine wie Recioto oder Pedro Ximénez bis etwa 14 °C. Mehr dazu im Artikel Die richtige Trinktemperatur.
- Menge: Kleine Portionen von 5–7 cl genügen – eine halbe Flasche reicht für vier bis sechs Personen.
- Glas: Ein kleineres Weißweinglas mit leicht verjüngtem Rand bündelt die Aromen. Hilfe bei der Auswahl gibt unser Ratgeber zu Weingläsern.
- Nach dem Öffnen: Edelsüße Weine halten verschlossen im Kühlschrank meist eine Woche und länger, Likörweine noch deutlich mehr. Mehr im Artikel Offener Wein: Wie lange haltbar?
Welche Speisen passen zu Süßwein?
Die wichtigste Regel: Der Wein sollte mindestens so süß sein wie das Dessert, sonst wirkt er sauer und dünn. Fruchtige Desserts mit Aprikose, Pfirsich oder Apfel harmonieren mit Auslesen und Sauternes, Schokolade und Nüsse eher mit Recioto, Pedro Ximénez oder Portwein. Mindestens ebenso spannend ist die Kombination mit Käse: Edelsüße Weine und kräftiger Blauschimmelkäse wie Roquefort sind ein Klassiker, weil die Süße das Salz ausbalanciert. Weitere Ideen finden Sie in unserem Wein-Pairing für Desserts und beim Wein zu Käse. Wenn Sie gezielt nach einem Dessertwein suchen, hilft Ihnen unser Weinfinder.
Häufige Fragen zur Süßwein-Herstellung
Wie wird Süßwein hergestellt?
Süßwein entsteht, wenn nicht der gesamte Traubenzucker zu Alkohol vergoren wird. Dafür wird entweder die Gärung gestoppt (durch Kühlen, Filtrieren oder Zugabe von Weinbrand) oder der Zucker in den Trauben wird vorher so stark konzentriert - durch Edelfäule, Frost oder Trocknung -, dass die Hefen ihn gar nicht vollständig verarbeiten können.
Was ist Edelfäule beim Wein?
Edelfäule ist der Befall reifer, gesunder Trauben mit dem Pilz Botrytis cinerea unter idealen Bedingungen: feuchte, neblige Morgen und sonnige, trockene Nachmittage. Der Pilz macht die Beerenhaut durchlässig, Wasser verdunstet, Zucker und Säure konzentrieren sich. Daraus entstehen Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen, Sauternes und Tokaji Aszú mit Aromen von Honig, Aprikose und Safran.
Wie wird Eiswein hergestellt?
Für Eiswein bleiben gesunde Trauben bis in den Winter am Stock. Bei starkem Frost - in Deutschland vorgeschrieben sind mindestens minus 7 Grad - werden sie gefroren gelesen und sofort gepresst. Das Wasser bleibt als Eis in der Presse zurück, nur ein kleiner Rest hochkonzentrierten, süßen und säurereichen Mostes läuft ab.
Ist eine Spätlese immer süß?
Nein. Spätlese und Auslese sind Prädikate, die das Mostgewicht bei der Lese beschreiben, nicht den Süßegrad des fertigen Weins. Eine Spätlese kann trocken, halbtrocken oder süß ausgebaut sein - maßgeblich ist die Geschmacksangabe auf dem Etikett. Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein sind dagegen praktisch immer edelsüß.
Was ist der Unterschied zwischen Süßwein und Likörwein?
Ein natursüßer Wein bezieht seine Süße allein aus der Traube und hat meist moderaten Alkohol. Bei einem Likörwein wie Portwein, Sherry oder Madeira wird Weinbrand zugesetzt - entweder während der Gärung, um Süße zu bewahren, oder danach. Likörweine haben deshalb meist 15 bis 22 Prozent Alkohol.
Wie lange ist geöffneter Süßwein haltbar?
Deutlich länger als trockener Wein: Zucker und Säure konservieren. Edelsüße Weine halten verschlossen im Kühlschrank meist eine Woche und länger, aufgespritete Weine wie Tawny Port oder Pedro Ximénez sogar mehrere Wochen. Leichte Süßweine wie Moscato d'Asti sollten Sie dagegen innerhalb weniger Tage trinken.
Bei welcher Temperatur serviert man Süßwein?
Die meisten Süßweine schmecken bei 8 bis 12 Grad am besten - kalt genug, damit die Süße frisch wirkt, warm genug für die Aromen. Junge, leichte Süßweine eher kühler, gereifte Edelsüße und dunkle Dessertweine wie Recioto oder Pedro Ximénez etwas wärmer bis etwa 14 Grad.
Fazit
Süßwein ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis gezielter Arbeit im Weinberg und im Keller. Ob Edelfäule in Sauternes und Tokaj, Frost beim Eiswein, getrocknete Trauben beim Recioto oder Weinbrand beim Portwein – immer geht es darum, natürlichen Zucker im Wein zu bewahren und ihn mit Säure ins Gleichgewicht zu bringen. Wer die Methoden kennt, versteht auch die Preise: Für eine Flasche Trockenbeerenauslese braucht es oft die Trauben eines ganzen Weinbergs. Die Herstellung trockener Weine erklären unsere Artikel zur Weißwein-Herstellung und Rotwein-Herstellung; Fachbegriffe wie Oechsle oder Botrytis schlagen Sie im Wein-Glossar nach.