Wein richtig öffnen – mit und ohne Korkenzieher
Am einfachsten und sichersten öffnen Sie Wein mit einem Kellnermesser: Kapsel unterhalb des Wulstes einschneiden, Spirale mittig eindrehen, bis eine Windung übrig ist, und den Korken mit dem zweistufigen Hebel langsam herausziehen. Ohne Korkenzieher hilft eine lange Schraube mit Zange. Hier erfahren Sie außerdem, was bei alten und abgebrochenen Korken, bei Sekt und bei Schraubverschlüssen zu tun ist.
Welcher Korkenzieher ist der richtige?
Es gibt unzählige Korkenzieher-Modelle, im Alltag haben sich aber vier Typen durchgesetzt. Allen gemeinsam: Eine gute Spirale ist als offene, gewendelte Drahtspirale mit Spitze ausgeführt – man sollte durch sie hindurchschauen können. Massive Schrauben mit Bohrer-Gewinde zerreißen den Korken dagegen leicht.
Kellnermesser (Sommeliermesser)
Das Werkzeug der Profis: klein, günstig, mit Messer für die Kapsel, Spirale und Hebel. Modelle mit zweistufigem Hebel ziehen den Korken gerader heraus und sind auch für Anfänger leicht zu bedienen. Wer sich nur einen Korkenzieher anschaffen möchte, ist mit einem guten Kellnermesser am besten beraten.
Flügelkorkenzieher
Der Klassiker in vielen Küchenschubladen: Beim Eindrehen der Spirale heben sich zwei Flügel, die man dann nach unten drückt, um den Korken herauszuziehen. Er ist intuitiv zu bedienen und braucht wenig Kraft. Nachteil: Viele günstige Modelle haben eine massive Schraube statt einer Spirale, die Korken häufig zerbröselt, und die Spirale sitzt oft nicht ganz mittig.
Hebelkorkenzieher
Hebelkorkenzieher werden auf den Flaschenhals geklemmt; ein Hebel dreht die Spirale ein und zieht den Korken in einer Bewegung heraus. Das geht sehr schnell und ohne Kraftaufwand – praktisch, wenn viele Flaschen geöffnet werden. Sie sind allerdings größer und teurer, und bei sehr alten Korken fehlt ihnen das Feingefühl.
Korkenzieher-Systeme mit Nadel (z. B. Coravin)
Eine Sonderstellung haben Systeme, bei denen eine dünne Hohlnadel durch den Korken gestochen wird. Der Wein wird mit Hilfe eines Edelgases (Argon) entnommen, und der Korken bleibt in der Flasche; nach dem Herausziehen der Nadel schließt sich der Korken weitgehend wieder. So kann man ein einzelnes Glas aus einer wertvollen Flasche trinken, ohne sie ganz zu öffnen. Für den normalen Alltag ist das nicht nötig, für Weinliebhaber mit gereiften Flaschen aber eine interessante Option.
Wein mit dem Kellnermesser öffnen: Schritt für Schritt
So gelingt das Öffnen sauber und ohne Korkbrösel im Wein:
- Kapsel einschneiden: Klappen Sie das kleine Messer aus und schneiden Sie die Kapsel rundum knapp unterhalb des Flaschenwulstes ein. Ziehen Sie den oberen Teil der Kapsel ab. So kommt der Wein beim Einschenken nicht mit der Folie in Berührung.
- Flaschenhals abwischen: Wischen Sie Korkoberfläche und Flaschenmündung mit einem sauberen Tuch ab, um Staub, Schimmelspuren oder Reste der Kapsel zu entfernen.
- Spirale ansetzen: Setzen Sie die Spitze der Spirale leicht außerhalb der Korkmitte an und richten Sie die Spirale senkrecht auf. So läuft die Wendel beim Eindrehen mittig durch den Korken.
- Spirale eindrehen: Drehen Sie die Spirale gerade und ohne Druck zur Seite ein, bis nur noch etwa eine Windung herausschaut. Den Korken nicht ganz durchbohren, sonst bröseln Korkstückchen in den Wein.
- Erste Hebelstufe ansetzen: Legen Sie die erste Stufe des Hebels auf den Flaschenrand, halten Sie sie mit dem Daumen fest und ziehen Sie den Griff langsam nach oben, bis der Korken etwa zur Hälfte herausgezogen ist.
- Zweite Hebelstufe nutzen: Setzen Sie die zweite Hebelstufe auf den Flaschenrand und ziehen Sie den Korken gerade weiter heraus. Ein zweistufiger Hebel sorgt dafür, dass der Korken möglichst senkrecht und ohne Abknicken herauskommt.
- Korken von Hand lösen: Das letzte Stück ziehen Sie mit der Hand heraus, indem Sie den Korken leicht hin und her bewegen. So vermeiden Sie das laute Ploppen und ein Herausspritzen des Weins.
- Mündung prüfen und probieren: Wischen Sie die Flaschenmündung noch einmal ab und probieren Sie einen kleinen Schluck, bevor Sie Ihren Gästen einschenken – so fällt ein Korkfehler rechtzeitig auf.
Riechen Sie übrigens lieber am Wein als am Korken: Ein Korken riecht fast immer nach Kork. Ob ein Wein tatsächlich „korkt“, also muffig nach nassem Karton riecht, zeigt erst der Wein im Glas. Mehr dazu im Artikel Weinfehler erkennen.
Alte und brüchige Korken öffnen
Bei gereiften Weinen ist der Korken nach vielen Jahren oft weich, brüchig oder klebt am Glas. Mit einer normalen Spirale reißt er dann leicht ab oder zerbröselt. Für solche Flaschen gibt es den Zweizungen-Korkenzieher, auch Ah-So genannt.
So funktioniert der Zweizungen-Korkenzieher
- Kapsel entfernen und die Mündung säubern.
- Die längere der beiden flachen Klingen zwischen Korken und Glas ansetzen und ein Stück hineinschieben.
- Die zweite Klinge auf der gegenüberliegenden Seite ansetzen.
- Beide Klingen abwechselnd mit leichtem Hin-und-her-Wippen nach unten schieben, bis der Griff auf dem Korken aufliegt.
- Den Korken mit einer drehenden Bewegung langsam nach oben herausziehen.
Weil der Korken dabei nicht durchbohrt wird, bleibt er auch bei brüchigem Zustand meist ganz. Es gibt außerdem Kombigeräte, die eine Spirale mit zwei Klingen verbinden und gezielt für sehr alte Flaschen gedacht sind.
Bei gereiften Rotweinen und Vintage Port gilt zusätzlich: Stellen Sie die Flasche vor dem Öffnen einige Zeit aufrecht, damit sich das Depot am Boden absetzt, und öffnen Sie sie ohne Schütteln. Danach können Sie den Wein vom Depot dekantieren. Dass der Korken überhaupt elastisch bleibt, hängt übrigens stark von der richtigen Lagerposition ab.
Hier lohnt sich ein guter Korkenzieher
Lagerfähige Weine wie diese reifen oft viele Jahre unter Naturkorken – spätestens dann zahlen sich ein gutes Kellnermesser oder ein Zweizungen-Korkenzieher aus:
Piemont
Rotwein Brunello di Montalcino DOCGToskana
Rotwein Contino Gran ReservaRioja
Rotwein Château Lynch-BagesBordeaux
Dessertwein Taylor's Vintage PortKorken abgebrochen – was tun?
Keine Panik: Ein abgebrochener Korken ist ärgerlich, der Wein ist deshalb aber nicht verloren. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Erneut ansetzen: Drehen Sie die Spirale vorsichtig und leicht schräg in das verbliebene Korkstück ein, idealerweise nahe am Rand. Ziehen Sie dann langsam und gleichmäßig, mit dem Hebel auf dem Flaschenrand.
- Zweizungen-Korkenzieher nutzen: Ist der Rest zu kurz oder zu bröselig für die Spirale, schieben Sie die Klingen zwischen Korken und Glas und ziehen den Rest heraus.
- Korken hineindrücken: Klappt beides nicht, drücken Sie den Rest mit einem stumpfen, sauberen Gegenstand in die Flasche (siehe unten).
- Krümel herausfiltern: Gießen Sie den Wein durch ein feines, sauberes Sieb in eine Karaffe. Ein paar Korkkrümel im Wein sind übrigens geschmacklich unbedenklich – sie sind ein Schönheitsfehler, kein Weinfehler.
Wein öffnen ohne Korkenzieher
Kein Korkenzieher zur Hand? Diese Methoden funktionieren – geordnet von sicher bis riskant. Beginnen Sie immer mit den sicheren Varianten.
1. Schraube und Zange (die beste Notlösung)
Diese Methode ist der Funktion eines Korkenziehers am nächsten und am sichersten:
- Nehmen Sie eine möglichst lange Holzschraube und drehen Sie sie mit einem Schraubendreher mittig in den Korken, bis nur noch etwa ein Zentimeter herausschaut.
- Fassen Sie den Schraubenkopf mit einer Zange (oder setzen Sie die Klauenseite eines Hammers an).
- Ziehen Sie den Korken langsam und gerade heraus, während Sie die Flasche gut festhalten.
Je länger und grober das Gewinde der Schraube, desto besser greift sie. Bei kurzen Schrauben reißt der Korken eher aus.
2. Korken in die Flasche drücken
Mit einem stumpfen, stabilen Gegenstand – etwa dem Stiel eines Holzkochlöffels – können Sie den Korken langsam und mit gleichmäßigem Druck in die Flasche schieben. Halten Sie die Flasche dabei auf einer festen Unterlage und legen Sie ein Tuch um den Flaschenhals: Durch den Druck kann Wein herausspritzen. Drücken Sie nicht ruckartig und verwenden Sie keine spitzen oder zerbrechlichen Gegenstände. Der Korken schwimmt anschließend im Wein; beim Einschenken hält man ihn mit einem Löffelstiel zurück oder gießt den Wein in eine Karaffe. Für alte, wertvolle Weine ist diese Methode nicht geeignet, weil der Korken zerbröseln und der Wein aufgewirbelt werden kann.
3. Die Schuh-Methode: nur mit großer Vorsicht
Achtung, Bruch- und Verletzungsgefahr: Bei der Schuh-Methode wird mit der Flasche gegen eine Wand geschlagen. Dabei kann die Flasche zerbrechen, und Glassplitter sowie Wein können zu Schnittverletzungen führen. Wenden Sie sie nur an, wenn die Methoden oben nicht möglich sind – niemals bei Schaumwein, alten oder sehr wertvollen Flaschen und nie über Fliesen oder in der Nähe anderer Personen.
Das Prinzip: Der Flaschenboden wird in die Ferse eines festen Schuhs mit flacher, stabiler Sohle gestellt. Mit dem Schuh wird die Flasche waagerecht und mit kontrollierten, nicht zu kräftigen Stößen gegen eine stabile Wand geklopft. Die Stöße schieben den Wein gegen den Korken, der sich dadurch Stück für Stück herausbewegt. Sobald er weit genug heraussteht, ziehen Sie ihn von Hand heraus – nicht weiterklopfen, bis er herausfliegt. Bedenken Sie: Der Wein wird dabei stark geschüttelt, was ihm nicht guttut. Es bleibt eine Notlösung.
Von noch riskanteren Tricks wie dem Abschlagen des Flaschenhalses oder dem Erhitzen des Halses raten wir ausdrücklich ab.
Sekt und Champagner sicher öffnen
Schaumwein steht unter erheblichem Druck – bei Champagner und anderen flaschenvergorenen Schaumweinen sind es um die 6 bar. Ein unkontrolliert herausschießender Korken kann daher vor allem die Augen schwer verletzen. Wie dieser Druck entsteht, erfahren Sie im Artikel Wie wird Schaumwein hergestellt?
- Die Flasche gut kühlen – warmer Schaumwein schäumt stärker und der Korken löst sich heftiger. Vorher nicht schütteln.
- Die Folie entfernen, dann den Daumen auf den Korken legen und den Drahtkorb (Agraffe) aufdrehen und lockern. Ab jetzt den Daumen nicht mehr vom Korken nehmen.
- Die Flasche etwa im 45-Grad-Winkel halten, die Öffnung von Personen, Gesicht und Lampen weg gerichtet.
- Korken samt Drahtkorb mit der einen Hand festhalten und mit der anderen Hand die Flasche langsam drehen – nicht den Korken.
- Den Gegendruck spüren und den Korken kontrolliert herausgleiten lassen, sodass das Gas mit einem leisen Zischen entweicht. Ein lauter Knall bedeutet verlorene Kohlensäure.
Säbeln (Sabrage): Das Abschlagen des Flaschenhalses mit einem Säbel ist eine eindrucksvolle Showeinlage, birgt aber erhebliche Risiken durch umherfliegende Glassplitter und einen möglichen Flaschenbruch. Überlassen Sie das geübten Profis mit geeignetem Werkzeug und ausreichend Abstand zu anderen Personen – für zu Hause ist das kontrollierte Öffnen von Hand die bessere Wahl.
Beim Einschenken von Schaumwein hilft ein schräg gehaltenes Glas – mehr dazu in unserem Artikel Wein richtig einschenken.
Schraubverschluss und Glasverschluss öffnen
Schraubverschluss
Halten Sie die Flasche mit einer Hand am Körper und umfassen Sie die Kappe fest mit der anderen. Drehen Sie nun die Flasche, nicht die Kappe – mit einem kurzen Knacken reißt die Perforation, und die Kappe lässt sich abschrauben. Der Schraubverschluss ist längst kein Zeichen für einfachen Wein mehr: Er verhindert Korkfehler und hält Weißweine frisch. Flaschen mit Schraubverschluss können Sie übrigens auch stehend lagern.
Glasverschluss
Glasstopfen sitzen unter einer Kapsel oder Aluminiumhaube, die zuerst entfernt wird. Anschließend lässt sich der Stopfen einfach von Hand herausziehen; ein Dichtungsring sorgt für den dichten Abschluss. Praktisch: Der Glasverschluss kann zum Wiederverschließen der Flasche genutzt werden. Wie lange der Wein danach noch schmeckt, lesen Sie unter Offener Wein: Wie lange haltbar?
Nach dem Öffnen: die nächsten Schritte
- Probieren: Einen kleinen Schluck kosten, bevor Sie den Gästen einschenken – so fallen Kork- oder andere Fehler rechtzeitig auf.
- Belüften: Junge, kräftige Rotweine profitieren oft von etwas Luft. Ob sich Dekantieren lohnt, erklärt unser Artikel Wann sollte man Wein dekantieren?
- Temperatur prüfen: Die richtige Trinktemperatur macht oft einen größeren Unterschied als der Preis.
- Den passenden Wein finden: Sie suchen noch die richtige Flasche? Der Weinfinder und unsere Speisen-Empfehlungen helfen weiter.
Häufige Fragen zum Wein öffnen
Wie bekomme ich Wein ohne Korkenzieher auf?
Am sichersten mit einer langen Holzschraube und einer Zange: Schraube mittig in den Korken drehen, ein Stück herausstehen lassen und den Korken mit der Zange langsam herausziehen. Alternativ können Sie den Korken mit einem stumpfen, stabilen Gegenstand vorsichtig in die Flasche drücken. Von Methoden, bei denen auf die Flasche geschlagen wird, raten wir wegen Bruch- und Verletzungsgefahr ab.
Was tun, wenn der Korken abgebrochen ist?
Setzen Sie die Spirale des Korkenziehers erneut schräg in das verbliebene Korkstück ein, drehen Sie sie vorsichtig ein und ziehen Sie langsam. Bei sehr bröseligen Resten hilft ein Zweizungen-Korkenzieher. Klappt beides nicht, drücken Sie den Rest in die Flasche und gießen Sie den Wein durch ein feines Sieb in eine Karaffe.
Wie benutzt man ein Kellnermesser?
Kapsel unterhalb des Wulstes einschneiden, Spirale leicht außermittig ansetzen und senkrecht eindrehen, bis eine Windung übrig ist. Dann die erste Hebelstufe auf den Flaschenrand setzen und hochziehen, mit der zweiten Stufe nachfassen und das letzte Stück von Hand herausziehen.
Wie öffnet man alte Weinflaschen mit brüchigem Korken?
Für alte, brüchige Korken eignet sich ein Zweizungen-Korkenzieher (Ah-So) besonders gut: Seine beiden flachen Klingen werden zwischen Korken und Glas geschoben, der Korken wird mit einer drehenden Bewegung herausgezogen, ohne ihn zu durchbohren. Arbeiten Sie langsam und halten Sie die Flasche möglichst ruhig, damit sich das Depot nicht aufwirbelt.
Wie öffnet man Sekt oder Champagner sicher?
Gut gekühlt, Flasche schräg halten und nie auf Personen richten. Den Daumen auf dem Korken lassen, Drahtkorb lösen, dann die Flasche langsam drehen, während der Korken festgehalten wird. Der Korken soll mit einem leisen Zischen herausgleiten, nicht knallen.
Wie öffnet man einen Schraubverschluss richtig?
Halten Sie die Flasche am Körper und die Kappe fest in der anderen Hand, dann drehen Sie die Flasche statt der Kappe. Die Perforation reißt mit einem kurzen Knacken, und die Kappe lässt sich abschrauben. Ein Schraubverschluss ist kein Zeichen für minderwertigen Wein – er verhindert Korkfehler.
Fazit
Für fast alle Flaschen ist ein gutes Kellnermesser mit zweistufigem Hebel das beste Werkzeug: Kapsel einschneiden, Spirale gerade eindrehen, Korken in zwei Stufen herausheben. Für alte, brüchige Korken lohnt sich zusätzlich ein Zweizungen-Korkenzieher. Ist der Korken abgebrochen oder fehlt der Korkenzieher, helfen Schraube und Zange oder vorsichtiges Hineindrücken – riskante Tricks wie die Schuh-Methode bleiben die absolute Ausnahme. Und bei Schaumwein gilt: Daumen auf den Korken, Flasche drehen, leise zischen lassen.